T-Zell Studie 14.05.20 La Jolla Institut (Grifoni, Weiskopf, Mateus, Crotty)

Sehr detaillierte und gründliche Studie mit Untersuchung der Wirkweisen und Ausarbeitung der verschiedenen Ansätze des Immunsystems gegen SARS-CoV-2. Untersuchung der Immunreaktion bis auf die Ebene der unterschiedlichen T-Zell-Typen und auf die angegriffenen Bestandteile und Proteine des Virus. Beschreibung von möglichen, aber seltenen Ausnahmen in der Immunantwort, die in Todesfällen bei jungen Menschen und Erholung von sehr alten vorerkrankten Menschen resultieren können. Überlegungen zu den Auswirkungen einer verbreiteten Immunität auf Verbreitung des Virus, Schwere der Krankheit und Verlauf der Pandemie und Anpassungen der Maßnahmen gegen diese.

Auszüge aus der Studie:

“Abschätzungen der Immunität der Bevölkerung sind für die Kalibrierung des epidemiologischen Modells zukünftiger Maßnahmen zur Bekämpfung von Pandemien mit sozialer Distanzierung von zentraler Bedeutung. Die Prognosen kommen zu dramatisch unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, ob eine SARS-CoV-2-Infektion eine anhaltende Immunität erzeugt und ob bereits eine kreuzreaktive Immunität zwischen SARS-CoV-2 und den zirkulierenden saisonalen ’Erkältungs’-Coronaviren besteht.“


“Während die meisten akuten Infektionen zur Entwicklung einer Immunität führen, kann bei humanen Coronaviren eine substanzielle adaptive Immunantwort ausbleiben.“


“Das Ausbleiben der Entwicklung einer schützenden Immunität könnte an unzureichender Heranbildung oder Dauer der T-Zell- und/oder Antikörperantwort liegen, wobei die wirksame Antikörperantwort von der vorherigen CD4 + T-Zellantwort abhängt.“


“Die Impfstoffentwicklung gegen akute Virusinfektionen konzentriert sich klassisch auf die durch den Impfstoff ausgelöste Wiederholung der Immunantwort. Derzeit fehlen für COVID-19 hier die grundlegenden Kenntnisse [...].“


“CD4 + T-Zellantworten wurden [bei 100% der COVID-19-Rekonvaleszenzpatienten gefunden und] bei 40% –60% der nicht exponierten Personen festgestellt. Dies kann auf ein gewisses Maß an kreuzreaktiver, bereits bestehender Immunität gegen SARS-CoV-2 bei einigen, aber nicht allen Personen zurückzuführen sein. Ob diese Immunität für die Beeinflussung der klinischen Ergebnisse relevant ist, ist unsicher - und kann ohne T-Zell-Messungen vor und nach der SARS-CoV-2-Infektion von Individuen nicht sicher bestätigt werden -, aber es ist naheliegend, dass die kreuzreaktiven CD4 + T-Zellen eine schützende Immunität bedeuten. In Laborversuchen mit SARS-infizierten Mäusen wurde dies bestätigt.“


“Im Zusammenhang mit der H1N1-Influenza-Pandemie 2009 bestand in der erwachsenen Bevölkerung eine bereits bestehende T-Zell-Immunität. […] Es wurde nachgewiesen, dass das Vorhandensein von reaktive T-Zellen mit weniger schweren Erkrankungen korreliert.“


“Die kreuzreaktive Immunität gegen Influenzastämme wurde als kritischer Einflussfaktor für die Anfälligkeit für neu auftretende, möglicherweise pandemische Influenzastämme modelliert.“
“[…] Jeder Anteil an bestehender Kreuzimmunität gegen das Coronavirus in der Bevölkerung könnte einen erheblichen Einfluss auf den Gesamtverlauf der Pandemie und die Dynamik der Epidemiologie in den kommenden Jahren haben.“

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Originaltext der Zitate:

“Estimations of immunity are also central to epidemiologicalmodel calibration of future social distancing pandemic controlmeasures. Such projections are dramatically different depending on whether SARS-CoV-2 infection creates substantial immunity, and whether any cross-reactive immunity exists between SARS-CoV-2 and circulating seasonal ‘common cold’ human coronaviruses.”


“While most acute infections result in the development of protective immunity, available data for human coronaviruses suggest the possibility that substantive adaptive immune responses can fail to occur.”


“A failure to develop protective immunity could occur due to a T cell and/or antibody response of insufficient magnitude or durability, with the neutralizing antibody response being dependent on the CD4+T cell response.”


“Vaccine development against acute viral infections classically focuses on vaccine-elicited recapitulation of the type of protective  immune  response  elicited  by  natural  infection Such   foundational   knowledge   is   currently   missing   for COVID-19, including how the balance and the phenotypes of responding  cells  vary  as  a  function  of  disease  course  and severity.”


“CD4+T cell responses [are found in 100% of COVID-19 convalescent patients and] were detected in 40%–60% of unexposed individuals. This may be reflective of some degree of cross-reactive, preexisting immunity to SARS-CoV-2 in some, but not all, individuals. Whether this immunity is relevant in influencing clinical outcomes is unknown—and cannot be known without  T  cell  measurements  before  and  after  SARS-CoV-2 infection of individuals—but it is tempting to speculate that the cross-reactive CD4+ T cells may be of value in protective immunity, based on SARS mouse models”


“In the context of the 2009 H1N1 influenza pandemic, preexisting T cell immunity existed in the adult population, […] The presence of cross-reactive T cells was found to correlate with less severe disease.”
“Cross-reactive immunity to influenza strains has been modeled to be a critical influencer of susceptibility to newly emerging, potentially pandemic, influenza strains”


“[…] any degree of cross-protective coronavirus immunity in the population could have a very substantial impact on the overall course of the pandemic, and the dynamics of the epidemiology for years to come.”

Institut

La Jolla Institute for Immunology, La Jolla, California, USA - Grifoni, Weiskopf, Mateus, Crotty et al.


Quelle 

https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)30610-3


PDF (Volltext der Studie, englisch)

https://www.cell.com/action/showPdf?pii=S0092-8674%2820%2930610-3